Ein musikalischer Abend

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Zu unseren letzten Elternabend als Eltern der 11. Klasse waren wir am Freitag den 07.07. zu einem Musikabend eingeladen, der von den Schülerinnen und Schülern gestaltet wurde.

Der musikalische Abend ist neben der Jahresarbeit, dem Eurythmieabschluss und dem Theaterspiel Teil des Waldorfabschlusses. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich in kleinen Gruppen oder alleine ein Musikstück und tragen es ihren Eltern im Rahmen eines musikalischen Abends vor.

Es war ein ganz besonderes Erlebnis zu hören und zu sehen mit welchem Mut, welcher Freude und welchem Selbstverständnis sich die jungen Menschen mit ihrer Musik ihrem Publikum, uns Eltern, präsentierten.

In unterschiedlichen Besetzungen, als Trio, Duett, gemeinsam als Chor, aber auch als Solisten traten die Schülerinnen und Schüler auf und brachten zu Gehör, was sie sich in den vergangenen Wochen in Gruppen oder alleine erarbeitet hatten.

Wir kamen in den Genuss von einem breiten Band an verschiedenen Musikrichtungen, wir hörten Bekanntes, Unbekanntes und Selbstkomponiertes.

So unterschiedlich wie die jungen Menschen sind, so vielfältig war auch der Ausdruck und ich glaube, wir alle waren die ganze Zeit mit gespannter Aufmerksamkeit bei den Vortragenden und anders als bei einem Abschluss zu erwarten war die Atmosphäre während des ganzen Abends entspannt und heiter.

Auf dem Weg nach Hause, als ich über das Besondere dieses Abends nachdachte, kam mir der Ausspruch einer Nachbarin in den Sinn, die vor ein paar Jahren zur Situation an der Waldorfschule sagte: "Da lernen die Kinder doch nichts."

Ich glaube, bei allen Zweifeln die ich im Laufe der Jahre hatte, dass die Kindern an unserer Schule die Möglichkeit erhalten, dass Wichtigste zu entwickeln, was wir im Leben brauchen: Mensch zu sein.

Zu diesem Gedanken führten zwei Aspekte, die mir neben dem musikalischen Aspekt besonders aufgefallen sind.

Im ersten war es die oben benannte Atmosphäre. Es war schön zu sehen, dass nicht nur wir Eltern, sonder auch die Schülerinnen und Schüler aufmerksam jede Darbietung verfolgten.

Die gegenseitige Wertschätzung war spürbar und die besondere Qualität des sozialen Miteinanders der Klassengemeinschaft kam auch bei den gemeinsamen Vorträgen als Chor zum Tragen und fand damit auf einer weiteren Ebene ihren Ausdruck.

Im zweiten beeindruckte mich der Mut, jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers, öffentlich zu singen. Singen ist die Sprache des Fühlens und sein innerstes Fühlen als erwachsen werdender Mensch öffentlich auszudrücken ist in unserer materiellen Welt eine besondere Fähigkeit.

Empathie und soziales Miteinander sind Fähigkeiten, die wir in unserer Welt dringend brauchen und die unter anderem, durch das gemeinsame Singen während aller Waldorfjahre geübt werden.

Herr Köhler ist es in den letzten Jahren gelungen, dem was in den Jahren vorher angelegt wurde, manchem was brach lag und vielem was es zu entdecken gab, den Raum zur Entfaltung zu geben. Er hat es geschafft mit Humor, Gelassenheit und Begeisterung die jungen Menschen zum Singen und zum Musizieren zu bewegen und damit zu befähigen, ihr Menschsein zu entwickeln. Dafür ganz besonderen Dank.

Für die, die mehr über die Wirkung des Singens wissen möchten, hier der Hinweis auf den Verein "Il canto del mondo", der unter der Schirmherrschaft von Sir Yehudi Menuhin gegründet wurde und auf Karl Adamek, einen Musiksoziologen, der sich ausführlich mit dem Singen im Alltag auseinandergesetzt hat.

Dietlind Marold